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Von der Antike bis zum Bulgarischen Reich |
Das Gebiet des heutigen Bulgariens
war seit der Jungsteinzeit besiedelt. In dieser Zeit
entwickelten sich die Karanowo-Kulturen, aber vor allem die
Warna-Kultur, deren Goldschatz zu den ältesten der Welt
zählt. In der Bronzezeit wurde das Gebiet von den
indogermanischen Thrakern bewohnt. Der größte thrakische
Stamm, die Odrysen konnte um 450 v. Chr. ein eigenes Reich
gründen, das sich bis zur Donau und zum Strymon erstreckte.
Heute werden regelmäßig große Funde im „Tal der thrakischen
Könige“ oder anderswo von Archäologen gemeldet, die sich auf
diese historische Periode beziehen. So wurde im Jahr 2000
das thrakische Heiligtum Perperikon in den Ostrhodopen
ausgegraben. In der Zeit der Griechische Kolonisation
entstanden an der Schwarzmeerküste mehrere Stadtstaaten, so
genannten Polisis. Einigen von ihnen wie Apollonia Pontika
oder Mesambria wurden zu Handelsmächten und konnten sich
anfänglich auch gegen die Römer behaupten. Nach der
Eroberung 29 v. Chr. durch die Römer begann die
Romanisierung der Bewohner. Thrakien und die Staatstaaten an
der Küste wurden ein Teil des römischen Reiches. Aus der
römischen Zeit sind die großangelegten Bauten von Karasura,
Trimontium, Nicopolis ad Istrum, Ulpia Augusta Trajana,
Marcianopolis, Colonia Ulpia Ratiaria oder Augusta bekannt.
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Bulgarisches Reich |
Seit dem 6. Jahrhundert drangen
Slawen ein, 679 die Bolgaren unter Asparuch, die gemeinsam
das Erste Bulgarische Reich von Pliska (679 bis 1018)
gründeten, das fast die ganze Balkanhalbinsel umfasste. Aus
der Verschmelzung der Einwanderer mit der örtlichen
Bevölkerung entstand das Volk der Bulgaren. Boris I. trat
864 zum byzantinischen Christentum über. Sein Sohn Simeon I.
(893-927), der bedeutendste Herrscher Bulgariens, besiegte
die Serben, errichtete das bulgarische Patriarchat und
förderte die altbulgarische Literatur. Er war der erste
slawische Herrscher, der den Titel Zar trug, er selbst
nannte sich „Zar (gr. Basileus) der Bulgaren und Rhomäer“ (=
Oströmer bzw. Byzantiner). Im 10. Jahrhundert entstand in
Bulgarien während seiner Herrschaft auch die kyrillische
Schrift. Ab 972 bis 1018 kam Bulgarien sukzessive unter die
Herrschaft von Byzanz. Seit der Regentschaft Boris I. von
Bulgarien im 10. Jahrhundert wurde das Land von
Konstantinopel aus christianisiert, weshalb die Mehrzahl der
Bulgaren bis heute dem orthodoxen Glauben angehört. Auch die
bulgarische Kultur ist stark von der byzantinischen geprägt.
Bulgarien war lange Zeit ein mächtiges Kaiserreich, das sich
militärisch mit dem Byzantinischen Reich messen konnte.
Während der Zeit des Zaren Petar I. entstand die christliche
Religionsgemeinschaft der Bogomilen, die mit ihrer Literatur
zu den Vorkämpfer gegen die Dogmatik der Kirche zählt und
die Reformation in Westeuropa beeinflusst hat. Die Brüder
Johann und Theodor Peter aus dem Hause Asen errichteten das
Zweite Bulgarische Reich mit Tarnowgrad im Balkangebirge als
neuer Hauptstadt. Das Reich, welches von 1186 bis 1393
bestand, erlangte seine größte Ausdehnung unter dem Zaren
Iwan Asen II.. Die Hauptstadt Tarnowo wurde zum neuen
kulturellen, geistlichen und politischen Zentrum
Südosteuropas. Tarnowo wurde von Zeitgenossen als neues
Jerusalem, Rom und Konstantinopel zugleich bezeichnet. |
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Osmanische Herrschaft und Unabhängigkeit |
1393 bzw. 1396 kam ganz Bulgarien
unter osmanische Herrschaft, die fast 500 Jahre andauerte.
1444 scheiterte die Befreiung Bulgariens durch ein
polnisch-ungarisches Heer unter Wladyslaw I., König von
Polen und Ungarn, in der Schlacht bei Varna. In dieser Zeit
hielten die Bulgaren der Islamisierung im Wesentlichen
stand. Um 1800 erhob sich der geistig-nationale Widerstand,
mit der Forderung nach Unabhängigkeit. In Bulgarien kam es
zu einer Ära der nationalen bulgarischen Wiedergeburt
(bulgarisch: Възраждане). Ähnlich wie in Westeuropa knüpfte
sie an antike und frühere bulgarische und byzantinische
Traditionen. Schipka-Denkmal der Gefallenen im
Russisch-Türkischen Krieg Die blutige Niederschlagung des
April-Aufstands durch die Türken 1876, die an einen Genozid
grenzte und Empörung in ganz Europa auslöste, führte zum
russisch-türkischen Krieg 1877/1878. Dieser wurde mit
ungeahnter Härte und massiven Verlusten auf beiden Seiten
geführt. Nach der Überquerung der Donau und des
Balkan-Gebirges mitten im Winter gewannen die russischen
Truppen die Oberhand und rückten bis kurz vor Konstantinopel
vor. Mit dem Frieden von San Stefano wurden die Grundlagen
für den modernen bulgarischen Staat gelegt. |
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Fürstentum und Königreich Bulgarien |
Als ein Ergebnis des Berliner
Kongresses entstand das Fürstentum Bulgarien mit Sofia als
Hauptstadt. Dieses war im Vergleich zu den Statuten des
Friedens von San Stefano stark beschnitten und von seinem
südlichen Teil Ostrumelien getrennt, der dem Sultan
tributpflichtig blieb. Am 16. April 1879 wurde die erste
demokratische Verfassung in Weliko Tarnowo verabschiedet.
Fürst Alexander I. (1879-1886) versuchte innere Reformen
durchzusetzen und besiegte die Serben, wurde aber durch eine
von den Russen veranlasste Verschwörung gestürzt. 1887 wurde
Ferdinand von Coburg-Gotha Fürst, der 1908 die völlige
Loslösung von der Türkei erklärte und den Zarentitel annahm,
womit aus dem Fürstentum das Königreich Bulgarien wurde. Die
Erfolge der bulgarischen Truppen im Ersten Balkankrieg
(Eroberung von Adrianopel) wiederholten sich im Zweiten
Balkankrieg nicht. Während die bulgarische Streitmacht an
der griechischen und serbischen Front gebunden war, drangen
die Rumänen bis nach Sofia vor; die Türken eroberten
Adrianopel wieder zurück. Königreich Bulgarien, 1915 Im
Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Seite
der Mittel- bzw. Achsenmächte. Das Königshaus und die
Bevölkerung widersetzten sich erfolgreich der Verfolgung und
der Deportation der Juden (Holocaust), die in den Grenzen
von 1941 lebten. In den besetzten Gebieten von Makedonien
und Thrakien wurde die jüdische Bevölkerung jedoch verhaftet
und den Deutschen ausgeliefert. Nach dem Ende des Zweiten
Weltkriegs geriet Bulgarien unter sowjetischen Einfluss und
wurde Teil des Warschauer Paktes. |
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Bulgarien nach der Wende |
Das Ende der kommunistischen Ära wurde 1990 durch freie
Wahlen eingeleitet. Seitdem wurden politische und
wirtschaftliche Reformen vorangetrieben. Von 1990 an war die
demokratische Oppositionsbewegung Union Demokratischer
Kräfte SDS (bul. Съюз на демократичните сили, СДС), die den
friedlichen Sturz des sozialistischen Bulgariens
herbeiführte, fast immer stärkste Partei. Bis 1997 regierte
jedoch in mehreren Legislaturperioden die Sozialistische
Partei BSP (bul. Българска социалистическа партия, БСП)
mittels Koalitionen. Die EU-Integration wurde wesentlich von
einer bis 2001 konservativ geführten SDS-Regierung unter
Iwan Kostow beschleunigt. Sie stellte umfängliche
Kooperation mit internationalen Institutionen her, senkte
die Inflation und stabilisierte die Wirtschaftslage. Der
NATO- und EU-Beitritt wurden in dieser Zeit initiiert.
Präsident zu dieser Zeit war der Demokrat Petar Stojanow. Am
22. Februar 1999 legten die bulgarische und die mazedonische
Regierung ihren jahrelangen Sprachenstreit bei, indem sie
eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten. Bulgarien, das
als erstes Land Mazedonien anerkannte, erkannte jetzt auch
die Eigenständigkeit der mazedonischen Sprache und Nation
erstmals offiziell an, Mazedonien entsagte im Gegenzug
jeglicher Einflussnahme auf die mazedonische Minderheit in
Bulgarien. Der Streit hatte die bilateralen Beziehungen
schwer belastet und sowohl die politischen als auch die
wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern
schwierig gestaltet. Die Parlamentswahlen am 17. Juni 2001
gewann überraschend mit 42,7 % der Stimmen die erst kurz
zuvor gegründete Nationale Bewegung Simeon II., NDSW (Национално
Движение Симеон Втори, НДСВ) um den ehemaligen bulgarischen
Zaren Simeon II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der nach 55
Jahren aus dem spanischen Exil zurückgekehrt war. Wegen des
stark betonten republikanischen Prinzips in der Verfassung
slawisierte er seinen Namen zu Simeon Sakskoburggotski und
legte monarchische Namenszusätze ab, nachdem die
Wahlbehörden die Rechtsauffassung äußerten, er sei als
früherer König nicht wählbar. Wesentlichen Anteil an dem
Erfolg hatte das Versprechen, innerhalb von 800 Tagen eine
deutliche Verbesserung des Lebensstandards herbeizuführen.
Dazu schlug er eine Erhöhung des Lohnniveaus und
Steuersenkungen vor. Im Wesentlichen jedoch behielt die
amtierende Regierung den konservativen Kurs ihrer
Vorgängerin bei, insbesondere die Politik der
EU-Integration. 2003/2004 amtierte Bulgarien als Mitglied
des UNO-Sicherheitsrates und schloss sich mit Chile und
Spanien demonstrativ der von den USA geführten
Anti-Irak-Fraktion an, die einen gewaltsamen
Regierungswechsel im Irak unterstützte. Die tendenziell
US-freundliche Außenpolitik Bulgariens und der Dissens mit
der reservierten deutsch-französischen Seite führten unter
anderem dazu, dass auf Betreiben des Außenministers Solomon
Pasi die deutschen Anti-ABC-Einheiten umgehend durch
bulgarische und polnische Truppen ersetzt wurden. Ähnlich
den USA hatte auch Bulgarien vor dem Zweiten Golfkrieg den
Irak umfangreich mit konventionellen Waffen beliefert. Ein
Teil der Lieferungen war über nicht zurückbezahlte Kredite
(1,7 Mrd. US-Dollar) erfolgt. Es ist anzunehmen, dass man
sich hier bei einer Kriegsbeteiligung Gegenleistungen
erwartete. Bulgarien trat 2004 der NATO bei. In der
Wirtschaft kam es aufgrund von Simeons Reformen zu weiter
fortschreitendem Aufschwung, von dem allerdings eher in- und
ausländische Investoren und die städtische Oberschicht als
der Durchschnittsbürger profitierten. In ländlichen Gebieten
herrschen oft hohe Arbeitslosigkeit (im Landesdurchschnitt
etwa 14 %) und Korruption. Die sehr traditionelle
Landwirtschaft, die bei 26 % der Beschäftigten 13 % zum
Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt, ist noch weit vom
Erreichen der EU-Normen entfernt. 2007 wurde Bulgarien in
die Europäische Union aufgenommen. Der seit 2005 von
Sozialisten und Sergei Stanischew geführten
Drei-Parteien-Koalition (BSP, NDSW, DPS) wurde nach einem
Geldstopp aus Brüssel ein Scheitern bei der EU-Politik sowie
Korruption, eine unzureichende Bekämpfung der Mafia und das
Fehlen einer angemessenen Jugendpolitik vorgeworfen. Sie ist
die bulgarische Regierung, die am niedrigsten über das
Vertrauen bei der Bevölkerung verfügte. Anfang 2009
schenkten ihr nur noch 15 % der Bulgaren Vertrauen, während
76 % gegen sie waren. Die regierenden Parteien verloren die 2009 stattgefundenen Europa- und Parlamentswahlen, die vormals mitregierende NDSW war nach der Wahl nicht mehr parlamentarisch vertreten. Beide Wahlen wurden von der GERB-Partei des ehemaligen Bürgermeisters von Sofia, Bojko Borissow, gewonnen. Die 87. Regierung Bulgariens, mit Bojko Borissow als Ministerpräsident, ist eine Minderheitsregierung der GERB-Partei die jedoch von den konservativen Kräften der Blauen Koalition und der nationalistischen Ataka unterstützt wird. Anfangs unterstützte die Partei Ordnung, Sicherheit und Gerechtigkeit ebenfalls die Regierung, entzog allerdings 2010 diese Unterstützung. |
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Mitglied der Europäischen Union
seit 01.01.2007
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Auf dem NATO-Gipfel in Prag wurden
am 22. November 2002 sieben osteuropäische Staaten – darunter
auch Bulgarien – zu Aufnahmegesprächen eingeladen. Am 26. März
2003 wurden die Beitrittsprotokolle unterzeichnet, und am 29.
März 2004 wurden Bulgarien und die anderen sechs Länder in die
NATO aufgenommen.
Ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union wurde ebenfalls unterzeichnet und weitgehend implementiert. Die Beitrittsverhandlungen wurden 2004 erfolgreich abgeschlossen. Als weiterer Schritt billigte am 13. April 2005 das EU-Parlament den Beitritt zur Europäischen Union mit 522 von 660 Stimmen, und am 25. April 2005 wurde der Beitrittsvertrag in Luxemburg unterzeichnet. Seit dem 1. Januar 2007 ist Bulgarien somit Mitglied der EU. |
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