Geschichte

   

   Die frühe Geschichte (Antike bis 1922)

   Die Ukraine als Republik der Sowjetunion (1922 bis 1991)

   Die Ukraine als unabhängige Republik (seit 1991)

   Die politischen Beziehungen zu Deutschland

   Die Außenpolitik der Ukraine

   Die Hauptstadt Kiew (Kyjiw)


Die frühe Geschichte (Antike bis 1922):
 
Die frühe Geschichte der Ukraine ist zugleich auch ein bedeutendes Kapitel der russischen Geschichte. Kiew war im 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. das Zentrum der Kiewer Rus (Kiewer Reich), das im Kerngebiet der ostslawischen Stämme errichtet wurde. Die Stadt wird auch heute noch als die „Mutter der russischen Städte“ bezeichnet. Im 12. Jahrhundert zerfiel das Reich in einzelne Fürstentümer, die sich im 13. Jahrhundert nicht gegen den Einfall der Mongolen zur Wehr setzen konnten. Das im 12. Jahrhundert gegründete westukrainische Fürstentum Galizien wurde von dem Einfall der Mongolen weniger in Mitleidenschaft gezogen als andere Teile der Region; es wurde im 14. Jahrhundert von Polen annektiert. Kiew und das ukrainische Fürstentum Wolynien fielen an Litauen, das später unter die Herrschaft Polens kam. Polen gelang es nicht, die ukrainischen Kosaken zu unterwerfen. Die Gebiete östlich des Dnjepr wurden 1667 an Russland abgetreten. Die verbleibenden Gebiete der Ukraine, außer Galizien (Teil des Österreich-Ungarischen Reiches von 1772 bis 1919), wurden nach der zweiten Teilung Polens 1793 in das Russische Reich eingegliedert. Während des 1. Weltkrieges verkündete die Ukraine nach der Oktoberrevolution 1917 ihre Unabhängigkeit.
In Galizien, in der Bukowina und in der Karpato-Ukraine bewahrten sich die Ukrainer trotz der Zugehörigkeit zu Österreich ihre Identität als eigenständige Volksgruppe. Sie errichteten 1918 im östlichen Galizien ihre eigene Republik, die sich mit der russischen Ukraine zu einem Staatenbund zusammenschloss. Ein Jahr später wurde das östliche Galizien bei der Pariser Friedenskonferenz unter polnisches Protektorat gestellt. Die ukrainische Regierung unter Simon Petlyura erklärte Polen daraufhin den Krieg. Zwischenzeitlich wurde in der Ukraine von den Kommunisten eine Gegenregierung errichtet, die das Land zu einer sozialistischen Sowjetrepublik proklamierte. 1920 sahen sich die Regierung Petlyura und Polen aufgrund des Vorstoßes der russisch-bolschewistischen Armee zur Allianz gezwungen; sie konnten aber die Machtübernahme der sowjetischen Regierung nicht verhindern. 1922 schloss sich die Ukraine der Gründung der UdSSR an.
 

Die Ukraine als Republik der Sowjetunion (1922 bis 1991):
 
Von 1922 bis 1939 unterdrückte die UdSSR den ukrainischen Nationalismus. Die Ukraine wurde durch Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft und die Enteignung der Produktionsmittel stark in Mitleidenschaft gezogen. Hungersnöte, in denen insgesamt über sieben Millionen Menschen ihr Leben verloren, waren 1932 und 1933 Folge dieser verheerenden Situation.
Das Ziel des ukrainischen Nationalismus war die Unabhängigkeit der Großukraine, die sich aus der russischen Ukraine, dem polnischen Galizien (Westukraine) und dem tschechoslowakischen Ruthenien zusammensetzen sollte.
Nach der sowjetischen Belagerung Ostpolens im September 1939 wurde die 62.160 km_ umfassende Westukraine in die Ukrainische SSR eingegliedert. Als die deutschen Truppen 1941 die Ukraine besetzten, hofften ukrainische Nationalisten auf die Errichtung einer unabhängigen ukrainischen Republik unter deutschem Schutz. Die Deutschen trennten aber die russische Ukraine von der Westukraine ab. 1944 wurde die Ukraine von der UdSSR zurückerobert. Im gleichen Jahr kamen Teile Bessarabiens und die nördliche Bukowina von Rumänien hinzu, 1945 auch die ruthenische Region der Tschechoslowakei. Die Ukrainische SSR war 1945 Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. Die russische Krimregion wurde 1954 der Ukraine zugesprochen. Die Geschichte der Ukraine verläuft von dieser Zeit bis 1991 parallel zur Geschichte der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.
 

Die Ukraine als unabhängige Republik (seit 1991):
 
Ende 1991 löste sich die UdSSR auf, und die Ukraine erklärte sich zur unabhängigen Republik. Ein nationales Referendum im Dezember 1991 bestätigte die Unabhängigkeit, und Leonid Krawtschuk, der frühere Vorsitzende der Kommunistischen Partei, ging als Staatspräsident aus den Wahlen hervor. Im November 1992 führte der neue Ministerpräsident Leonid Kutschma Wirtschaftsreformen ein, zu denen Privatisierung und Aufhebung der Preiskontrollen gehörten.
Nach der Unabhängigkeit entstanden politische Spannungen bezüglich der Halbinsel Krim. Nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine bildete sich unter russischer Führung eine Bewegung auf der Krim, welche die Loslösung von der Ukraine zum Ziel hatte. Die Halbinsel Krim wurde zu einer autonomen Republik erhoben. Eine Unabhängigkeitserklärung der Krim wurde im Mai 1992 aufgehoben. Im gleichen Monat erklärte das russische Parlament die Übergabe der Krim an die Ukraine 1954 für nichtig. In der Folgezeit erhoben sowohl die Ukraine als auch Russland Besitzansprüche auf die im Hafen von Sewastopol stationierte Schwarzmeerflotte. 1992 konnten die beiden Staaten sich über eine gemeinsame Kommandantur der Flotte bis zur Aufteilung zwischen beiden Ländern 1995 einigen. Im Juni 1997 unterzeichneten die Präsidenten Jelzin und Kutschma einen Freundschaftsvertrag zwischen beiden Ländern. In diesem respektieren Moskau und Kiew „die territoriale Unversehrtheit und bestätigen die bestehenden Grenzen". Damit erkennt Russland auch die Zugehörigkeit der Krim und des Schwarzmeerhafens Sewastopol zur Ukraine an. In einem weiteren Abkommen wurde festgelegt, dass die Schwarzmeerflotte für die kommenden 20 Jahre in Sewastopol stationiert bleiben soll.
Kutschma trat im September 1993 inmitten des zunehmenden wirtschaftlichen Chaos zurück. Trotz fehlender Konzepte für die Lösung der Wirtschaftsprobleme sah sich Staatspräsident Krawtschuk gezwungen, dem Verlangen nach neuen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen nachzukommen. Im November 1993 stellte der Oberste Rat einen Wahlantrag. Im Januar 1994 stimmte Staatspräsident Krawtschuk der Übergabe eines Teiles der ukrainischen Atomwaffen an die Russen zum Zweck der Entsorgung zu. Im Gegenzug erhielt die Ukraine Kernbrennstoff für die Energieversorgung. Im Februar 1994 sagte die Regierung der USA zu, im Zuge der Abrüstungsbemühungen und um den völligen Zusammenbruch der ukrainischen Wirtschaft zu verhindern, ihre Hilfsleistungen für die Ukraine zu verdoppeln. Im gleichen Monat stimmte die Ukraine zu, sich dem Programm Partnerschaft für den Frieden der NATO anzuschließen. Im Juli übernahm der ehemalige Ministerpräsident Kutschma mit einem knappen Wahlsieg von 52 Prozent das Präsidentschaftsamt; am 6. August erhob er sich selbst per Dekret zum Präsidenten.
Der Präsident der Autonomen Republik Krim, Meschkow, wurde im September vom Parlament der Krim seines Amtes enthoben. Im Oktober verabschiedete das Parlament unerwartet Kutschmas Wirtschaftsreformpaket; die Weltbank gewährte ein Nothilfedarlehen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar. Im März 1995 trat Ministerpräsident Massol zurück. Der Oberste Rat der Ukraine stimmte für die Aufhebung der Verfassung der Autonomen Republik Krim und beauftragte das Oberste Gericht, gegen Meschkow wegen der Verletzung der Verfassung Anklage zu erheben. Im April setzte der Oberste Rat ein Misstrauensvotum gegen die neue Regierung durch; Kutschma unterstellte die Autonome Republik Krim direkt seiner Präsidentschaft. Im selben Monat gewährte der Internationale Währungsfonds der Ukraine ein Darlehen von rund zwei Milliarden US-Dollar.
Im Juni 1996 verabschiedete das Parlament eine neue Verfassung. Darin festgeschrieben wurden u. a. die Gewaltenteilung, das Recht auf Privateigentum, Ukrainisch als Amtssprache, für ethnische Minderheiten der freie Gebrauch ihrer Sprachen und für die Halbinsel Krim das Recht auf eine eigene Verfassung.
Am 2. September 1996 führte die Ukraine die Griwna als neue Währung ein. Abgelöst wurde damit der Karbowanez, der seit der Unabhängigkeit 1991 offizielles Zahlungsmittel in dem osteuropäischen Staat war. Nachdem die 1994 begonnenen Wirtschaftsreformen Erfolge zeigten, entschied sich die Regierung für die Einführung der neuen Währung. Die alte Währung war starken Schwankungen unterworfen.
In dem bereits erwähnten, im Juni 1997 mit Russland geschlossenen Vertrag einigten sich beide Seiten auch auf eine Regelung in der Frage der umstrittenen Auslandsschulden und -guthaben aus der Zeit der Sowjetunion. Demnach bezahlt Russland sämtliche Schulden beider Länder, erhält aber auch alle Guthaben und Vermögen im Ausland. In einer weiteren Erklärung vereinbarten Russland und die Ukraine die Bildung eines gemeinsamen Weltraum-Forschungszentrums in Jewpatoria auf der Krim-Halbinsel.
Im August 1997 präsentierte Waleri Pustowojtenko, der neue Regierungschef der Ukraine, sein Kabinett. Er war am 16. Juli nach dem Rücktritt von Pawel Lasarenko von 226 der insgesamt 450 Parlaments-Abgeordneten gewählt worden. Die meisten Minister der vorherigen Regierung behielten ihre Posten. Pustowojtenko war zuvor offiziell als „Minister des Ministerrates" Cheforganisator der Regierungsarbeit. Pustowojtenko versicherte bei seinem Amtsantritt, er werde den eingeschlagenen Reformkurs beibehalten. Aus den Parlamentswahlen im März 1998 gingen die Linksparteien deutlich gestärkt hervor; Ministerpräsident blieb Pustowojtenko. Am 25. Dezember 1998 ratifizierte die russische Duma den Freundschaftsvertrag mit der Ukraine, der bereits im Mai 1997 unterzeichnet und vom Kiewer Parlament im Januar 1998 angenommen worden war. Die Duma-Mehrheit hatte bis dahin Bedenken gegen eine Zusammenarbeit mit der Ukraine, da die Regierung in Kiew eine engere Kooperation mit der NATO anstrebte. Im Januar 1999 forderte der Europarat die Ukraine zur Abschaffung der Todesstrafe und zu Rechtsreformen auf. Er kritisierte, dass Urteile des Obersten Gerichtshofes nicht durchgesetzt werden und dass im Land keine Rechtsstaatlichkeit herrscht.

     Leonid Kutschma
Leonid Kutschma

Am 24. März 1999 wurden die Auseinandersetzungen mit Russland über die Schwarzmeerflotte ausgeräumt. Ein von Vertretern beider Staaten unterzeichnetes Abkommen regelt den Status der russischen Kriegsflotte in der Ukraine und die Aufteilung der ehemaligen sowjetischen Schwarzmeerflotte. Der Flottenstützpunkt Sewastopol wird für einen Zeitraum von 20 Jahren an Russland verpachtet.
Amtsinhaber Leonid Kutschma setzte sich bei den Präsidentschaftswahlen vom 14. November 1999 mit deutlichem Vorsprung gegen seinen kommunistischen Herausforderer Pjotr Simonenko durch. Das ukrainische Parlament wählte den bisherigen Zentralbankchef Viktor Juschtschenko zum neuen Ministerpräsidenten.
Im Dezember 1999 wurde in der Ukraine die Todesstrafe abgeschafft. Der Staat hatte sich bei seinem Beitritt zum Europarat 1995 zu diesem Schritt verpflichtet, ihn aber lange hinausgezögert.

Die Verfassung vom 28.06.1996 bestimmt die Ukraine als Präsidialdemokratie mit Gewaltenteilung. Sie enthält einen ausführlichen Grundrechtekatalog. Politik und Verwaltung sind stark auf das Amt des Präsidenten - nicht des Ministerpräsidenten - als Quelle der staatlichen Macht ausgerichtet. Am 08.12.2004 wurde die Verfassung geändert. Vorgesehen ist u. a. die Stärkung der Rolle des Parlaments und des Premierministers und Schwächung des Amtes des Präsidenten (Inkrafttreten der modifizierten Verfassung am 01.09.2005, hilfsweise erst am 01.01.2006, abhängig von der Annahme einer früheren Verfassungsänderung).

Die Ukraine wird zentralistisch regiert. Das Land ist in 27 Verwaltungseinheiten aufgeteilt: 24 Bezirke (Oblaste), deren Gouverneure vom Präsidenten ernannt und entlassen werden, sowie die Autonome Republik Krim und die Städte Kiew und Sewastopol, die einen Sonderstatus haben. Organe der regionalen und lokalen Selbstverwaltung haben relativ geringe Kompetenzen. Eine Ausnahme bildet die Krim, die gemäß der ukrainischen Verfassung einen Autonomiestatus genießt.

Das am 31.03.2002 gewählte Parlament (Werchowna Rada) hat 450 Abgeordnete. Derzeit gibt es 14 Fraktionen. Viele Fraktionen werden noch teilweise von der alten sowjetischen Nomenklatura sowie von Politunternehmern ("Oligarchen") geprägt, welche unter Ausnutzung der Übergangsbedingungen von Plan- zu Marktwirtschaft zu Reichtum und Einfluss gekommen sind.

Die wichtigsten Unterstützer der Regierung sind Präsident Juschtschenkos Bündnis "Nascha Ukraina", Ministerpräsidentin Julia Timoschenkos "Block Timoschenko" sowie die Sozialistische Partei von O. Moros. Weitere Parteien wie die "Volkspartei" des Parlamentsvorsitzenden Litwin unterstützen partiell die Regierungsarbeit. Sie verfügen derzeit zusammen über 185 der 450 Sitze.

Eine Zuordnung der Fraktionen zur Opposition ist schwierig. Eindeutig als Opposition betrachten sich die drei Oligarchengruppen aus Donezk (Fraktion "Regionen"), Dnepropetrowsk (Fraktionen "Volkswille" und "Demokratische Ukraine") und Kiew (Fraktion "Vereinigte Sozialdemokraten") sowie die Kommunisten. Sie verfügen zusammen über 166 Sitze.

Wiktor Juschtschenko
Nach der Orangenen Revolution: Präsident Wiktor Juschtschenko

Nach einer von Manipulationen geprägten Präsidentschaftswahl kam es im Dezember 2004 zu Massenprotesten (sog. "Orangene Revolution"). Klarer Sieger des am 26.12.2004 wiederholten 2. Wahlgangs war der Oppositionspolitiker Viktor Juschtschenko mit 51,99%, der am 23.01.2005 vereidigt wurde. Julia Timoschenko wurde am 4. Februar 2005 als Ministerpräsidentin vom Parlament ohne Gegenstimmen zusammen mit dem Kabinett bestätigt.
Während der ersten 100 Tage der Regierung Timoschenko wurden die Privatisierungen einiger großer Unternehmen (Kryworisch Stal) aus der Zeit des früheren Präsidenten Kutschma überprüft. Es zeigte sich auch, wie schon im Wahlkampf, dass die Positionen von Präsident Juschtschenko und Ministerpräsidentin Timoschenko in der Wahl der Mittel teilweise differieren.
Gleichzeitig führte die durch russische Unternehmen initiierte Verteuerung von Erdölprodukten, vor allem Benzin, zu Druck auf die ukrainische Regierung. In verschiedenen Ministerien wie dem Innenministerium und auf regionaler Ebene wurden seit dem Machtwechsel bis zu 30 % der Mitarbeiter entlassen.
Am 8. September 2005 entließ Präsident Juschtschenko überraschend Ministerpräsidentin Julija Timoschenko und ihre Regierung im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen und Konflikten innerhalb des Kabinetts. Zum Interimspremier wurde der Wirtschaftspolitiker Jurij Jechanurow ernannt. Jechanurow wurde später zum Ministerpräsidenten ernannt, und zwar mit 60 Stimmen mehr als er brauchte, die er überraschenderweise von der Opposition bekam.

Nach der Parlamentswahl in der Ukraine liegt die Partei des im vergangenen Jahr abgesetzten Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch weiter klar vorn. Nach derzeitigem Stand der Auszählung von mehr als der Hälfte der Wahlzettel kam seine pro-russische "Partei der Regionen" auf 29,4 Prozent, teilte die Zentrale Wahlkommission mit.

Der Block der früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko erreichte danach 22,6 Prozent der Stimmen. Ihr früherer PartnerJulia Timoschenko bei der "Orangenen Revolution", der pro-westliche Präsident Viktor Juschtschenko, kam mit seiner Partei "Unsere Ukraine" auf 15,7 Prozent. Nach Angaben der Wahlkommission schafften auch die Sozialisten und die Kommunisten den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde. Der Erfolg von Oppositionsführer Janukowitsch führt nun möglicherweise das zerstrittene Lager der "Orangenen Revolution" wieder zusammen. Der Block der früheren Ministerpräsidentin, die Partei "Unsere Ukraine" von Juschtschenko und die Sozialisten sprachen in Kiew über eine Neuauflage ihrer gemeinsamen Regierung unter Timoschenko. Die charismatische Timoschenko hatte als Führerin der Massenproteste der "Orangenen Revolution" geholfen, Juschtschenko ins Präsidentenamt zu bringen. Zum Dank machte er sie zur Ministerpräsidentin, entließ sie aber im September 2005 nach internen Streitigkeiten. Im Wahlkampf warb Timoschenko für eine Wiedervereinigung des orangenen Lagers. Bei einer Rückkehr an die Regierungsspitze hätte Timoschenko mehr Macht als zuvor, denn der Präsident musste im Zuge einer Verfassungsreform Befugnisse abgeben. Auch deshalb wollte Juschtschenko Koalitionsgespräche sowohl mit seinem fWiktor Yanukowytschrüheren Kontrahenten Janukowitsch als auch mit den übrigen Parteien führen. Vor allem Timoschenko dringt aber darauf, dass sich die Parteien der Reformbewegung möglichst schnell einigen. Das sei der einzige Weg, um die demokratischen und prowestlichen Ideale zu bewahren. Für Juschtschenko wäre eine Zusammenarbeit mit Timoschenko eine Niederlage, da er sich im Streit von ihr als Regierungschefin getrennt hatte. Beobachter sind sich aber einig, dass eine Koalition mit ihr der einzige Weg für ihn ist, sich seine Basis im Westen der Ukraine zu erhalten. Schon jetzt seien viele seiner ehemaligen Anhänger zum Lager von Timoschenko übergelaufen.
Im März 2006 kommt es zu Parlamentswahlen, die von internationalen Beobachtern als "frei und fair" eingestuft werden.
Am 18. Juli 2006 wird der Koalitionsvertrag zwischen der Partei der Regionen und den Sozialisten und den Kommunisten unterzeichnet.
Am 04. August 2006 wird Wiktor Janukowytsch zum neuen Premierminister gewählt.
Bei den Präsidentschaftswahlen 2010 erreichte Wiktor Janukowytsch im ersten Wahlgang am 17. Januar 2010 etwas mehr als 35 Prozent, Julija Tymoschenko etwa 25 Prozent. Bei einer geringen Wahlbeteiligung von 67 Prozent blieben damit größere Überraschungen aus. Bei der Stichwahl am 7. Februar 2010 gewann Janukowytsch. Wiktor Janukowytsch baut seine Macht aus, das unter Wiktor Juschtschenko eingeführte Gesetz zur Machbegrenzung des Präsidenten wurde rückgängig gemacht.

 


Die politischen Beziehungen zu Deutschland:
 
Deutschland ist für die Ukraine der nächste Nachbar in der EU und wichtiger und verlässlicher Partner auf ihrem Weg nach Europa. Die Bundesrepublik ist nach den USA der größte Geber bilateraler Hilfe und nach Rußland der wichtigste Handelspartner der Ukraine. Diese ist für Deutschland ein Eckpfeiler der europäischen Sicherheitsarchitektur und ein Land, mit dem es die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und das Unheil der nationalsozialistischen Ideologie teilt. In Deutschland gibt es eine große Bevölkerungsgruppe, die in den Grenzen der Ukraine gelebt hat. Zu einem großen Teil handelt es sich dabei um ethnische Deutsche. 40.000 Volksdeutsche leben noch heute in der Ukraine. Es existiert daher ein dichtes Netz politischer, wirtschaftlicher, kultureller und privater Beziehungen zwischen beiden Ländern, an denen auch Bundesländer, Städte und Gemeinden einen großen Anteil haben.


Die Außenpolitik der Ukraine:
 
Seit ihrer Unabhängigkeit zeigte sich die Ukraine als friedliebendes und vorhersehbares Mitglied der Weltgemeinschaft. Seit 10 Jahren bleiben diese Qualitäten unverändert. Die Ukraine hat ihre außenpolitischen Prioritäten deutlich gesetzt und hält sie ein. Schwerpunkte der ukrainischen Außenpolitik sind die Integration in die Europäische Union, strategische Partnerschaft mit der Russischen Föderation, den Vereinigten Staaten von Amerika, Polen. In Verbindung mit freundschaftlichen Beziehungen der Ukraine zu Nachbarschaftsländern bestimmen sie die Außenpolitik der Ukraine.

Vollberechtigte Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist ein strategisches Ziel der Ukraine. Die europäische Wahl der Ukraine ist objektiv und mit der Sicherstellung anhaltender wirtschaftlicher Entwicklung des Landes, sozialer Gerechtigkeit in der Gesellschaft, politischer Stabilität sowie staatlicher Unabhängigkeit und Sicherheit verbunden.

Die Grundlage für die Beziehungen mit der Europäischen Union bilden das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen und die EU-Strategie gegenüber der Ukraine. Die inneren Dokumente, welche die Aufgaben auf dem Integrationswege bestimmen, sind die EU-Integrationsstrategie der Ukraine und das Programm der EU-Integration der Ukraine.

Die Ukraine hat bereits positive Signale zur Unterstützung ihrer Europa orientierten Anstrengungen erhalten. Das Europäische Parlament setzte sich für den Beitritt der Ukraine in die EU in der Zukunft ein. Auf dem EU-Gipfel in Göteborg im Juni 2001 wurde beschlossen, die Ukraine zur Teilnahme an der Europäischen Konferenz einzuladen, die EU-Mitglieds- und Beitrittsländer vereint.

Als erster Schritt auf dem Wege zur EU ist die Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation. 1993 wurde ein Antrag über den Anschluss der Ukraine zum Tarifen- und Handelsvertrag gestellt. 1997 begannen bilaterale Verhandlungen über den Zutritt zum Waren- und Dienstleistungsmarkt mit den WTO-Ländern. Heute werden sie mit 39 Ländern geführt, u.a. mit den EU-Staaten, den USA, Japan, Kanada, Australien, CEFTA-Ländern usw.

Als Mitgründer der UNO hat die Ukraine diese Organisation immer als universalen Mechanismus zur Lösung globaler Probleme der Gegenwart betrachtet. Die Teilnahme der Ukraine an der UN-Tätigkeit in den letzten 10 Jahren war äußerst produktiv.

Aktive und ausgewogene Position der Ukraine in vielen Fragen der UN-Tätigkeit führte dazu, dass sie einen Vorsitz auf der 52. UN-Generalversammlung hatte, als nichtständiger Mitglied des UN-Sicherheitsrates 2000-2001gewählt wurde sowie den Vorsitz im Sicherheitsrat der UNO im März 2001 hatte.

Die Ukraine wurde zum zuverlässigen UN-Partner bei friedensstiftenden Operationen. Ca. 12.000 Friedensstifter aus der Ukraine haben ihre Mission unter dem UN-Banner in vielen Ecken des Planeten bereits erfüllt – auf dem Balkan, in Nahost, Asien, Mittelamerika und Afrika.

Die Ukraine arbeitet aktiv mit der OSZE und der Nato in den Fragen, die mit der Friedensunterstützung zu tun haben. 14 Vertreter der Ukraine arbeiten heute in den OSZE-Missionen in Georgien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, dem Kosovo. Sie plädiert ständig für Regelung der „eingefrorenen Konflikte“.

Die Ukraine entwickelt ihre Zusammenarbeit mit dem Europarat. Seit ihrer Mitgliedschaft in dieser Organisation wurde sie zum Mitglied von 33 europäischen Konventionen und Abkommen des Europarates.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2010 sprachen sich die vier führenden Kandidaten Wiktor Janukowytsch, Julija Tymoschenko, Tihipko und Jazenjuk für die Einführung „europäischer Standards“ in der Ukraine aus. Sie stehen damit alle für eine schrittweise Annäherung an die EU und gleichzeitige strategische und gutnachbarschaftliche Beziehungen mit Russland.

Der neu gewählte Präsident Janukowytsch erklärte nach seinem Amtsantritt im Februar 2010, die Ukraine wolle ein blockfreies Land sein und verstehe sich als „eine Brücke zwischen Russland und der EU“. Einer NATO-Mitgliedschaft erteilte er eine klare Absage.

Die Hauptstadt Kiew (Kyjiv):
 
Die Hauptstadt der Ukraine liegt im Norden des Landes am Ufer des Dnjepr. Sie ist die größte Stadt der Ukraine und bekannt als ein Industrie-, Verkehrs- und Kulturzentrum. Die Wirtschaft und der Handel wird von den Produkten des landwirtschaftlich geprägten Umlandes (Getreide, Obst oder Zuckerrüben) geprägt.
Kiew besitzt zahlreiche Parks und historische Monumente. Sie Stadt liegt zum größten Teil auf den Hügeln oberhalb des Dnjepr. Im alten Stadtkern am rechten Flussufer überragen Kirchen und die Überreste von alten Schlössern und Befestigungsanlagen die Hügel. Die neueren Stadtviertel am linken Flussufer wurden zum Großteil erst nach dem 2. Weltkrieg gebaut. Die Stadt verfügt über ein U-Bahnsystem.

Kiew war ein religiöses Zentrum des alten Russlands. Noch heute stehen hier einige bedeutende alte Kirchen. Die berühmteste ist die Hagia Sophia (Sophienkathedrale, erbaut im 11. Jahrhundert), in der sich heute ein Museum befindet; sie ist die älteste Kathedrale der Ukraine und berühmt für ihre Fresken und Mosaike. Das zeitgleich gegründete große Perchersky-Kloster (Höhle), ist bekannt für seine Katakomben und ist eines der heiligsten Gebäude der russisch-orthodoxen Kirche. Andere Sehenswürdigkeiten sind die barocke Andreaskathedrale und die Wladimirkathedrale (erbaut im 19. Jahrhundert). Weiterhin interessant sind die Ruinen des Goldenen Tores, der ehemaligen Hauptzufahrt zur Stadt aus dem 11. Jahrhundert. In Kiew gibt es eine große Universität, die Ukrainische Akademie der Wissenschaften, mehrere Forschungszentren, ein Konservatorium, eine Oper, die Russische Kunstgalerie, andere Museen und ein großes Stadion (Dynamo Kiew).
Die erste Besiedlung datiert vermutlich aus dem vierten Jahrhundert n. Chr. Schon bald entwickelte Kiew zu einem wichtigen Handelszentrum, da es an einer bedeutenden Handelsroute lag. Während der Herrschaft des Heiligen Wladimir I. um 988 traten die Bürger von Kiew zum griechisch-orthodoxen Glauben über. Die Stadt wurde das erste Zentrum des Christentums in Russland.
Die exponierte Lage in der Nähe der russischen Grenze machte Kiew zu einem ständigen Ziel feindlicher Angriffe von Mongolen, Krimtartaren und Kosaken. 1686 annektierte Russland die Stadt.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt zu einem Handels- und Industriezentrum. Deutsche Truppen besetzten Kiew während des 1. Weltkrieges. Hier war auch der Schauplatz vieler Kämpfe (1917-1920) im Anschluss an die Russische Revolution. 1934 löste Kiew Charkow als Hauptstadt der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik ab. Im 2. Weltkrieg besetzten deutsche Truppen die Stadt von 1941 bis 1943. In dieser Zeit wurde Kiew schwer beschädigt und mehr als 200 000 Einwohner der Stadt wurden getötet. Nach dem Wiederaufbau übernahm Kiew wieder seine Rolle als eines der Zentren der sowjetischen Wirtschaft und Kultur. Nach dem Zerfall der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken blieb Kiew 1991 die Hauptstadt der Ukraine. Die Einwohnerzahl von Kiew beträgt ca. 2,7 Millionen.

   
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Stand: 22.05.2011