Landesnatur
 
In den Karpaten existieren die letzten echten Urwälder Europas. Sie zählen seit Juli 2007 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Knapp 16 % der Fläche des Landes ist bewaldet (hauptsächlich mit Buchen, Kiefern, Birken, Espen, Eichen, Erlen, Eschen und Ahorn). Neben den Karpaten bilden der Dnepr-Basin und der Prypjat-Basin die wichtigsten Ökosysteme. Gurken, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Hülsenfrüchte und Auberginen sind das am häufigsten angebaute Gemüse. Zu den typischen Obstsorten zählen Trauben, Birnen, Melonen, Pfirsiche, Pflaumen und Aprikosen. Die wichtigste Nutzpflanze ist der Weizen. Neben ihm wird aber auch viel Roggen, Gerste, Kartoffeln, Mais und vor allem Buchweizen angebaut. Die Sonnenblume ist die Nationalpflanze.

Neben der natürlichen Artenvielfalt (Fasane, Kraniche, Pfauen) wurden im Naturschutzgebiet Askania auch Exoten wie der Afrikanische Strauß eingewildert. Auch kleine Affen leben dort. Zu den traditionellen Zuchttieren der Krim gehört das Kamel. In den Meeren um die Halbinsel sind einige Delfin- und Walarten beheimatet. Wasserschildkröten, Eidechsen und Schlangen sind im gesamten Land vertreten. Waschbären, Wildschweine, Bären, Wölfe und Hirsche sind Waldbewohner und daher am häufigsten im Westen und Norden der Ukraine anzutreffen. In Askania gibt es noch über 100 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferdes. Bis vor 200 Jahren lebten in der Ukraine das Ukrainische Steppenrind und der Tarpan in freier Wildbahn, bis sie schließlich ausgerottet wurden.

Bevölkerung
 
Vor dem Ersten Weltkrieg lebte eine deutschsprachige Minderheit, bestehend aus mehreren hunderttausend Personen, auf dem Staatsgebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina, Wolhynien, Schwarzmeerküste); heute sind es noch etwa 30.000 bis 40.000.
Bis 1944 lebten mehrere Millionen Polen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina und Wolhynien). 1944 kam es vor allem in Wolhynien zu Massakern an der polnischen Bevölkerung, denen über 40.000 Polen zum Opfer fielen. Nach dem Krieg und der Annexion der ehemals polnischen Gebiete östlich des Bugs wurde die polnische Bevölkerung vertrieben.
Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine sehr viele Juden, die jedoch zu großen Teilen während der Besatzung durch das Deutsche Reich von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache. Die Überlebenden wandern seitdem in die USA, nach Israel und zum kleinen Teil nach Deutschland aus. 2001 lebten noch rund 100.000 Juden in der Ukraine. Ihre Zahl nimmt wegen der erwähnten Auswanderung und des allgemeinen Geburtenrückgangs weiterhin ab.
Nach der offiziellen Volkszählung von 2001 leben in der Ukraine 77,8 % Ukrainer, wobei die Menschen mit den gemischten ukrainischen und russischen Nationalitäten als Ukrainer gezählt wurden, 17,3% Russen, und über 100 weitere Nationalitäten. Eine staatlich nicht anerkannte Minderheit sind die Russinen Transkarpatiens. Neben den 10 größten Nationalitäten gibt es noch kleinere Minderheiten mit weniger als 100.000 Einwohnern, darunter hauptsächlich Griechen, Roma, Aserbaidschaner, Georgier und Deutsche.

Sprache
 
73 % der Ukrainer sprechen Ukrainisch als Mutter- oder Zweitsprache, 74,4 % beherrschen Russisch. Die russische Sprache dominiert als Muttersprache im Osten und Süden der Ukraine und wird als Verkehrssprache sowie Sprache des täglichen Gebrauchs in den meisten Großstädten des Landes benutzt, inklusive Kiew. Laut zweier Studien ziehen etwa 53% der ukrainischen Gesamtbevölkerung und 81,5% der Bevölkerung im Süden und Osten der Ukraine die Kommunikation auf Russisch vor. Der Westen des Landes ist dagegen überwiegend ukrainischsprachig, wobei auch dort viele Bewohner sehr gute russische Sprachkenntnisse haben. In Galizien beherrschen auch noch einige Menschen Polnisch. Seit der Unabhängigkeit verschieben sich diese Verhältnisse aber in begrenztem Maße zugunsten des Ukrainischen, der einzigen offiziellen Sprache des Landes, da es nun im ganzen Land Pflichtfach ist und zunehmend Unterrichtssprache an den Schulen wird. An vielen ukrainischen Hochschulen, insbesondere im technischen Bereich, findet der Unterricht jedoch mangels ukrainischer Fachliteratur überwiegend in russischer Sprache statt. Eine weit verbreitete mündliche Mischform mit dem Russischen ist der Surschyk.

Die „Sprachenfrage“ ist in der ukrainischen Politik ein ständiges Streitthema. Die Partei der Regionen tritt für die völlige Gleichberechtigung der russischen Sprache durch den Status einer zweiten Amtssprache ein. Die „orangen“ Parteien rund um den ehemaligen Präsident Juschtschenko und Julija Tymoschenko lehnen dies ab. Einige Oblasten und städtische Kommunen führten die russische Sprache als Amtssprache auf regionaler Ebene ein. Unter Wiktor Justschenko wurde eine aktive Ukrainisierungs-Politik betrieben, so wurde etwa das Russische in Schulen, Universitäten und im Alltag stark zurückgedrängt. Präsident Janukowytsch veranlasste unter anderem, dass ukrainische Schüler und Studenten nun ihre Unterrichtssprache, Russisch oder Ukrainisch selbst wählen dürfen. Auch er äußerte sich aber jedoch vorerst gegen die Einführung des Russischen als zweite Staatssprache, da die Verhältnisse im Parlament die notwendige Änderung des ukrainischen Grundgesetzes bislang unmöglich machen.
   
  zur Startseite
 

22.05.2011