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Die
Ukraine ist eine offene, wenig diversifizierte und stark
modernisierungsbedürftige Volkswirtschaft. Sie gehört mit einem
Pro-Kopf-Einkommen von rd. 3000 USD (2009: rd. 2570 USD Quelle: IWF) in
der Kategorisierung der Weltbank zu den „lower middle income“-Ländern.
In den Jahren bis zu Beginn der internationalen Wirtschafts- und
Finanzkrise 2008 konnte die Armutsrate deutlich gesenkt werden. Es gibt
aber nach wie vor ein starkes Einkommensgefälle zwischen der Stadt Kiew
und den übrigen Landesteilen. Trotz hoher Wachstumsraten bis 2008, ging die Transformation der ukrainischen Wirtschaft nur schleppend voran. Wichtige Reformen wurden wegen der innenpolitischen Instabilität und aufgrund der stark von wirtschaftlichen Einzelinteressen geleiteten Politik lange nicht in Angriff genommen (darunter Reform des Bodenmarktes in der Landwirtschaft, Rentenreform, Justizreform, Verwaltungsreform). Formal hat sich dies unter der derzeitigen Regierung geändert. Im Frühjahr 2010 erarbeitete die neue Führung ein umfangreiches Reformprogramm für die Jahre 2010 bis 2014; insbesondere wird eine Verbesserung des Investitionsklimas angestrebt. Die gesetzgeberischen Maßnahmen müssen sich in der Praxis aber noch beweisen. Die Ukraine steht mit der EU in Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit umfassendem Freihandelsteil. Die damit verbundenen Erwartungen an strukturelle und institutionelle Reformen erfüllt sie bisher nur unzureichend. Zwischen der Ukraine und Russland bestehen enge Wirtschaftsbeziehungen. Unter der neuen politischen Führung wurden diese intensiviert. |
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Nach
dem Zusammenbruch der zentralistischen Planwirtschaft Anfang der 90er
Jahre wurde das ehemalige Staatsvermögen rasch privatisiert. Aus dieser
Entwicklung ist eine Gruppe von „Oligarchen“ hervorgegangen, die eine
maßgebliche Rolle bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen spielen.
Gleichzeitig sind bis heute wesentliche Teile der Wirtschaft in
Staatshand verblieben. Der Osten des Landes ist das (schwer-)industrielle Zentrum der Ukraine, der Westen ist ländlich geprägt. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die metallurgische und chemische Industrie, die Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft sowie der Maschinenbau. Wachstumsmotoren waren vor Beginn der Krise v.a. der Exportsektor und der Konsum. Letzterer wurde durch ein starkes Kreditwachstum (v.a. auch in Devisen) getragen. Die ukrainische Industrie leidet unter geringer Wettbewerbsfähigkeit aufgrund veralteter Anlagen und hohen Energieverbrauchs. Zugleich ist die Ukraine in hohem Maße von Energieimporten abhängig. Die Ukraine weist für die Wirtschaft eine Reihe von Standortvorteilen auf, wie einen mit ca. 46 Mio. Einwohnern relativ großen Binnenmarkt, einige hoch entwickelte Nischensektoren, wie Flugzeug- und Raketenbau, die geographische Nähe zu den Absatzmärkten in der EU und in Osteuropa, einen hohen Nachholbedarf bei Konsum und Modernisierungsinvestitionen, gute natürliche Voraussetzungen für die Landwirtschaft sowie ein vergleichsweise niedriges Lohnniveau bei grundsätzlich hohem Ausbildungsstand. Positive Wachstumsimpulse werden auch durch die Ausrichtung der Fußballeuropameisterschaft 2012 zusammen mit Polen erwartet. |
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Die
Ukraine ist eine exportorientierte Volkswirtschaft. Die Exporte machen
ca. 40% des BIP aus. Sie setzen sich größtenteils aus Roh- und
Halbfertigwaren zusammen. 40% der Exporteinnahmen werden durch den
Stahlsektor generiert. Die wichtigsten Handelspartner der Ukraine nach
Gesamtvolumen des Warenaustauschs sind Russland, Deutschland, Polen und
China. Seit 2008 ist die Ukraine Mitglied der WTO. Sie führt außerdem
Verhandlungen über ein umfassendes und vertieftes Freihandelsabkommen
mit der EU. Russland drängt auf eine Mitgliedschaft der Ukraine in der
Zollunion zwischen Russland, Kasachstan und Weißrussland. |
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Die
kumulierten ausländischen Direktinvestitionen betragen in der Ukraine
seit der Unabhängigkeit ca. 45 Mrd. USD. Im Vergleich mit anderen
Ländern der Region sind die Direktinvestitionen pro Kopf niedrig. Das
größte Investitionsvolumen kommt aus Zypern (als Offshore-Hafen für
Kapital aus den GUS-Ländern), gefolgt von Deutschland, den
Niederlanden, Russland, Österreich, Großbritannien und Frankreich. |
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Deutschland
gehört zu den wichtigsten Handels- und Investitionspartnern der
Ukraine. Das Handelsvolumen betrug 2010 etwa 6 Mrd. €. Die Ukraine
verzeichnet in den Handelsbeziehungen mit Deutschland ein deutliches
Defizit. Wichtigste deutsche Exportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge,
Chemie- und Pharmaprodukte, elektrotechnische Erzeugnisse und Nahrungs-
und Futtermittel. Wichtigste ukrainische Exportgüter Textilien/
Bekleidung, Metalle/ Legierungen/ Eisenwaren und Chemieprodukte sowie
Fahrzeuge. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland mit einem Gesamtvolumen etwa 7 Mrd. US-Dollar (von insgesamt 40 Mrd. US-Dollar) in der Ukraine auf Platz 2 nach Zypern. Große Investitionen wurden im Handel, im Bankensektor und in der lohnveredelnden Industrie getätigt. Die wichtigsten Branchen sind Handel und Finanzen, die Automobilzulieferindustrie, die Baustoffindustrie und die Logistikbranche. Mehr als 1.000 deutsche Firmen sind in der Ukraine vertreten. Ihre Interessen nimmt neben der Botschaft auch die „Delegation der Deutschen Wirtschaft in der Ukraine“ wahr, die Vertretung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Eine „Deutsche Beratergruppe“ berät die ukrainische Regierung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums seit vielen Jahren in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. In der deutsch-ukrainischen „Hohen Arbeitsgruppe für wirtschaftliche Fragen“ werden seit 2005 Fragen der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erörtert. |
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